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Wasser, das heute nach Norden abgeleitet wird, rauscht über die Staumauer des Totensees für wenige Stunden dorthin, wo es einst natürlicherweise hinfloss: nach Süden.


Arbeit zum UNO Jahr Wasser 2003

Aus „Der Bund“ 5. August 2003

WasserLassen

Symbolträchtige Kunstaktion zum Uno-Jahr des Wassers

Die Gruppe l’art pour l’aar liess Wasser aus dem Totensee auf dem Grimselpass statt in die Nordsee wieder in Richtung Rhone und Mittelmeer fliessen. Mit dieser Aktion machten die Künstlerinnen und Künstler im Jahr des Wassers aufmerksam auf das wirtschaftliche Nord-Südgefälle und protestierten gegen den weltweiten Wasserhandel.

Tot ist er keineswegs, der Totensee auf der Grimselpasshöhe, denn die Fischer, die ihn umstehen, angeln nach Seeforellen. Sein Name erinnert an die Franzosenkriege von 1799, als die Grimsel zur Landesgrenze wurde und Soldaten im See den Tod fanden.
Seit Menschengedenken floss das Wasser des Totensees in Richtung Süden, in die Rhone und ins Mittelmeer. In Gletsch trieb es ein Kleinkraftwerk. Vor mehr als 50 Jahren erwarben die Kraftwerke Oberhasli (KWO AG) den Totensee, versperrten den natürlichen Südabfluss mit einer Mauer und vergrösserten das Seevolumen. Seither fliesst das Totenseewasser über ein Kraftwerksystem in die Aare und in die Nordsee.

Zurück ins Mittelmeer

Am vergangenen Sonntag legten Künstlerinnen und Künstler der Gruppe l’art pour l’aar sieben PVC-Rohre über die Krone der Totenseemauer und leiteten, im natürlichen Syphonsystem, rund 60 Liter Wasser in der Sekunde ins alte Bachbett Richtung Rhone. Während rund 5 Stunden gaben sie in spielerischer Leichtigkeit dem Mittelmeer einen Teil des Totenseewassers zurück, das ihm von Natur aus zustünde. Die Aktion fand mit Einwilligung der Kraftwerke Oberhasli statt. Die Gruppe will das künstlerische Event denn auch nicht als Protest gegen die KWO AG verstanden wissen. Vielmehr sei mit bestechend einfachen Mitteln auf einen global unhaltbaren Zustand hingewiesen worden: So wie einst mit grösster Selbstverständlichkeit am Grimselpass Wasser von Süden gegen Norden umgeleitet worden sei, so selbstverständlich werde heute weltweit über das „blaue Gold“ verfügt.

Gegen den Handel mit Wasser

Mit der Aktion „WasserLassen“ protestiert die Gruppe l’aar pour l’aar im Uno-Jahr des Wassers 2003 gegen den zunehmenden Handel mit dieser lebenswichtigen Ressource. Indem „nördliche Multis“ weltweit zu Profitzwecken Wasser aufkauften, vergrösserten sie das wirtschaftliche Nord-Südgefälle und täten einen weiteren Schritt hin zur unnatürlichen und ungerechten globalen Ressourcenverteilung, meinen die Künstlerinnen und Künstler. Die Verfügbarkeit von Wasser sei ein Menschenrecht und dürfe nicht zur Profitquelle für Aktionäre verkommen.(urw)

l’art pour l’aar / Grimselverein

kategorie: projekte