Die 15 wichtigsten Walliser Institutionen im Bereich der zeitgenössischen Kunst spannen anlässlich von Label’Art 2007 erstmals zusammen. Ziel ist es, mittels einer Reihe von Veranstaltungen die Vielfalt, Lebendigkeit und Qualität des Walliser Kunstschaffens einem breiten Publikum vorzuführen. Die Ausstellungen, Performances und Diskussionen finden zwischen dem 6. September und dem 21. Oktober 2007 im ganzen Kanton – von Brig bis Monthey – statt. Aus dem Oberwallis sind mit dabei: Kunstverein Oberwallis, visarte oberwallis, Kunstforum Oberwallis / La Poste Visp, Stiftung Schloss Leuk und das Walliser Festival für zeitgenössische Kultur forum::wallis
Neun Künstler des Berufsverbandes visarte oberwallis werden zu dieser Gelegenheit in Brig in der Galerie zur Matze und im Werkhof vom 14. bis zum 28. September ihre neuesten Arbeiten präsentieren. Der Titel dieser Ausstellung lautet „vis-àvisarte“.
Der französische Ausdruck „vis-à-vis“ bezeichnet in erster Linie eine Gegenüberstellung von verschiedenen Sachen/Objekten. Dieser Begriff bezieht sich direkt auf das Konzept von Label’Art und widerspiegelt zwei Arten der Konfrontation: in erster Linie zwischen fünfzehn Walliser Kunstinstitutionen, sowie zwischen neun verschiedenen Künstlern mit eigener Bildsprache und persönlichen ästhetisch-künstlerischen Auffassungen. Die Verschiedenartigkeit wird hier gewissermassen zum Auslöser der Zusammenarbeit. Das Projekt von visarte oberwallis setzt sich nicht zum Ziel, die Künstler in einem starren und uniformen Konzept einzuschliessen und bestehende Differenzen zu vertuschen, sondern – im Gegenteil – sie hervorzuheben. Ein grosser Ideenreichtum charakterisiert das Kunstschaffen im Oberwallis und genau dies soll die Ausstellung „vis-à-visarte“ aufzeigen.
Eine Gegenüberstellung impliziert zugleich eine gewisse Zusammengehörigkeit. Schliesslich arbeiten die Projektteilnehmer in derselben Region und setzen sich für Kreativität und Kreation ein. Als Mitglieder des Berufsverbandes gestalten sie die Oberwalliser Kunstlandschaft mit. Die Ausstellung wird somit als eine Art Dialog-Plattform für Oberwalliser Künstler funktionieren.
Der Titel spricht auch die Idee der Unmittelbarkeit zwischen Werk und Betrachter an. Das Ausstellungskonzept zielt auf eine klare Vorführung der Arbeiten, befreit von unsichtbaren und unnachvollziehbaren Beziehungen und Theorien. Der Betrachter wird eingeladen, sich direkt mit den Werken zu konfrontieren. Kein Mittler soll zwischen Kunstwerk und Betrachter interferieren – an erster Stelle stehen Perzeption und intuitive Gedanken.
Seit Jahrhunderten wird die Gesellschaft von Kunst geprägt, unaufhörlich haben sich Künstler mit der zeitgenössischen Welt auseinander gesetzt, aktuelle Themen auf poetische und abstrahierte Art und Weise verarbeitet. Heute noch zeugen Kunstwerke von der intensiven Auseinandersetzung der Künstler mit ihrer Innen- und Aussenwelt. Im Rahmen von „vis-àvisarte“ thematisiert rittiner & gomez in comic-artigen Blättern die Rastlosigkeit des Menschen des 21. Jahrhunderts und sein Verhältnis zum Raum und zu den Mitmenschen. In den Werken von Denise Eyer-Oggier wird eine imaginäre Landschaft zum Träger innerer Emotionen und Gemütszustände. Wasseroberflächen erscheinen wie Spiegel der Seele, Häuser werden zu Zufluchtsorten. Andreas Henzen setzt sich vermehrt mit Symbolen und Zeichen und deren Strukturen auseinander, die – ähnlich den Hieroglyphen – wie Behälter des Gedächtnisses funktionieren. Der Beobachter ist frei, seine eigenen Erfahrungen darin zu lesen.
In einigen Fällen wird das Thema vielmehr zum Vorwand für Kompositionen. Anette Kummer setzt sich mit der maurischen Ornamentik der Alhambra in Granada auseinander, mit ihrer Symbolik und dem damit verbundenen Weltbild. Mehr und mehr lässt sie diese Muster in ihren Kompositionen einfliessen und eignet sich ihre Ausdruckskraft an. Islamischer Zauber verschmilzt mit westilicher Bildsprache zu überraschenden und farbenfrohen Kompositionen. Herbert Theler befasst sich mit der Walliser Berglandschaft und gibt davon eine ganz persönliche und verinnerlichte bildliche Übersetzung wieder. Dabei instauriert er ein Spiel zwischen weichen Flächen und heftigen Linien, Pastellfarben und grellen Farben. Johannes Loretan arbeitet vor allem mit Farbe, Kontrasten und Spannungen. Ihn interessiert weniger die äussere oder innere Wirklichkeit, sondern prinzipiell das „Sein“ des gemalten Bildes und seine Wirkung auf den Betrachter. Jànos Németh hingegen entmaterialisiert Erinnerungen und Emotionen und reduziert sie auf Farbe und Struktur als einzige Ausdrucksmittel. Manchmal tritt die freie Auseinandersetzung mit der Technik und dem Material völlig in den Vordergrund. So widmet sich Nikolaus Loretan ganz der Fotografie denn wie er selber sagt, „macht das Licht die Bilder“. Die Technik wird jedoch eher als ein Mittel zur Verwirklichung innerer Bilder angesehen – Bilder also, die durch das Medium realisiert werden, zum Leben „erweckt“ werden und als hoffnungsvolle Antwort auf unsere Zeit funktionieren. Auch in Bernd Kniel’s Werken kommt dem Licht eine vorrangige Rolle zu, jedoch in ihrem Spiel mit dem Glas. Für ihn wurde es zu einer regelrechten Herausforderung, die Grenzen der Bearbeitungsmöglichkeiten des Glases zu überschreiten.
Stehe nun das Thema, die Komposition oder der besondere Bildträger im Vordergrund, jedes Werk hat seinen eigenen Klang, jeder Künstler seine eigene Bildsprache. Ein „vis-à-vis“ von Kunstwerken, das von der Vitalität und Vielfalt des zeitgenössischen Oberwalliser Kunstmilieus zeugt – eine Ausstellung, die den Betrachter direkt anzusprechen sucht.