blausee turbine giswil

künstlerinnen und künstler aus dem berner oberland
in der turbine giswil

kommx
kommx (foto roger levy)

seit uralten zeiten ist der brünigpass die wichtigste verbindung zwischen der urschweiz und dem berner oberland. auch wenn dieser weg mit dem ausbau der n8 den verkehr mächtig angekurpelt hat, so hat sich der kulturelle austausch gerade innerhalb der kunstszene eher in grenzen gehalten.
der ausstellungsgruppe expoturbine ist aber nicht entgangen, dass sich auf der andern seite des passes ein äusserst vielschichtiger und intensiver kunstbiotop befindet.
mit der ausstellung „b l a u s e e“ möchten wir diese geographische kulturschranke brechen und im grössten kunstraum der urschweiz der berner oberländer kunstszene gastrecht gewähren. wir stellen uns vor, dass diese ausstellung ein gültiges und reprä-sentatives bild der oberländer kunstszene vermittelt.
der ausstellungstitel „b l a u s e e“ stiftet identität und magische verbundenheit einer alpinen volksgruppe mit seiner geographischen umgebung. das unvergleichliche kleinod mit seiner tragischen geschichte, die seine tiefblaue farbe erklärt, kann anreiz oder ausgangspunkt einer künstlerischen intervention sein, welche das geistige band zwischen den kunstschaffenden aber zugleich auch ihre individualität und künstlerische unabhängigkeit zum ausdruck bringen soll. „blausee“ soll die poetische präambel sein, hinter der sich der ganze kunstschatz einer region mit seiner geheimnisvollen abgründigkeit verbirgt.

turbine giswil

„jeder künstler ist ein kleiner blausee“

von lotte brenner – bernerzeitung

bis am 1. mai sind in der turbine giswil über 50 oberländer künstler zu gast. die ausstellung steht unter dem motto «blausee»

schon ein erster blick in die grosse halle der turbine giswil fasziniert: unter grosssen kranen aus alten zeiten, als das kraftwerk da noch in betrieb war, präsentiert sich grosszügig die ausstellung «blausee». einzeln und in gruppen stellen berner oberländer künstler bilder, skulpturen und performances aus. die grösse der halle erlaubt es, verschiedenste stile auf verschiedenstem künstlerischem niveau nebeneinander zu zeigen, ohne dass es sich «beisst».
ennet dem brünig
giswil stehe mit dem rücken gegen den brünig und sei sonst eher auf das mittelland und luzern-zentralschweiz ausgerichtet, erklärt der initiant, adrian hossli. er zitiert dazu den obwaldner dichter julian dillier: «verrigle oder uiftue, mier hend de schlissel derfir.» in diesem sinne sei im verein expoturbine der gedanke gereift, das «unbekannte berner oberland» über den brünig herein einzuladen.
die auswahl der ausstellenden erfolgte nicht über eine jury, sondern frei nach anmeldung. viele kontakte zu kunstschaffenden entstanden über das kunstmuseum thun. die stadt thun beteiligte sich schliesslich mit einem namhaften betrag an der ausstellung.
warum blausee?
auf der suche nach etwas typisch oberländischem begegneten die obwaldner der blausee-sage (vgl. kasten «vernissage»). laut hossli animiert allein schon die farbe blau, etwas grosses zu inszenieren und er meint: «jeder künstler ist ein kleiner blausee, in seiner abgründigkeit, tiefgründigkeit». die künstler sind dem thema allerdings nicht allzu streng unterworfen. einige halten sich strikte daran, andere zeigen sich anderweitig berner oberländisch. vom traditionellen bis hin zum abstrakten ist an der ausstellung alles vertreten. hossli verrät das erfolgsrezept: «das liegt in der halle selbst. sie stellt die verträglichkeit gegenseitiger dinge selbstlos her.» er lobt dabei aber auch die ausstellenden: «es fanden absolut keine grabenkämpfe statt.»
neben der blausee-sage fehlt auch die legendäre schöne schifferin von brienz nicht. doch nicht nur die vergangenheit wird erzählt, sondern auch top aktuelles. so ermahnt eine installation an atomare brennstäbe, die in holzkisten lagern. schliesst man die deckel, werden die kisten zu särgen. imposant beeindrucken knorrige holzskulpturen, gediegen heben figuren aus chrom-nickel-stahl ab und spielerisch lockern mobile paradiesvögel aus messing auf. eine idee von einem künstler ausmeiringen wirkt ebenso originell wie brauchbar: er malt den preis für das bild gleich auf: «eine million euro»
«der kulturhosenträger»
auf die frage «wer ist denn adrian hossli eigentlich, und wie kommt er dazu, grossformatig in der obwaldner kunstszene zu wirken?», antwortet sein berufskollege heinz arbogast: «hossli ist der kulturhosenträger von obwalden.» jahrelang unterrichtete er im collegium sarnen zeichnen und studierte mit seinen schülern auch etliche theaterstücke ein.
ihm wurde für seine tätigkeit der obwaldner kulturpreisverliehen. heute pensioniert, hat er sich noch mehr dem kulturleben verschrieben.
turbine entdeckt
das frühere kraftwerk wurde in den 90er jahren aus geotechnischen gründen in den berg hinein versetzt. seither stand das gebäude jahre lang leer. erst 1997 wurde es von obwaldner kulturschaffenden entdeckt, gemietet und zum aktionsraum umfunktioniert. nun finden abwechselnd theater, konzert und performance statt. heuer jährten sich die internationalen performance-tage zum 10. mal.
noch ist das kleinod in giswil für die kunst intakt. der verein expoturbine, der seit diesem jahr von der obwaldner kulturkommission einen grundbetrag erhält, will auch weiterhin einen breiten, auch internationalen kulturaustausch in der turbine giswil sicherstellen.

ausgestellt sind in der turbine gsiwil werke von der gruppe «l’art pour l’art», bestehend aus mauro bieg, mercedes capdevila, christoph flück, michel jaussi, iris krebs, nick röllin, heinz stähli, peter stähli, adolf urweider und hansueli urwyler sowie die einzelaussteller anna altmeier, vreni berger-huber, ueli bettler, martin bill, david birri, dan brugger, thomas büschlen, michaela cerullo, franz christ, ursula diem, ursula dubach, ueli egger, albert ernst, erica estermann, hans fischer, christoph flück, martin peter flück, fritz fuchs, marianne galli, heinrich gartentor, gisèle gilgien, ernst hanke, marta herzog, beatrice hofer-gysin, valérie jenni, jakob jenzer, karin jaun, werner kehrli, beat krapf, vera liechti, martin loosli, savio masina, silvia maurer, sarah michel, inge moser, jane rose nägeli, trudy reber, verena renggli, stefanie rindlisbacher, rittiner & gomez, franziska rohrer, august rosenkranz, walter rubin, francesco saubert, anna schmid & michael meier, heinz stähli, peter stähli, saskia manon stijkel, beat teige, adolf urweider, hildi urweider und hansueli urwyler.

heinrich gartentor als festredner

die vernissage regierungsrat franz enderli begrüsste über 200 personen. das «lagoa azul» bossa-trio (gosteli, goetz, schönenberger) bereicherte die vernissage-feier musikalisch und ganz gross – eindrücklich – trat die alphornbläser-grossformation berner oberland ost auf. gastredner war heinrich gartentor, kulturminister a.d. er ging dabei auf das ausstellungsmotto «blausee» ein, schwenkte immer in nebengedanken ab wie weihnachten, brienzlige statt forellen und der abächerli giswil.

also – gartentor steht mehr auf brienzligen als forellen und giswil kenne man wegen dem abächerli und in 267 tagen sei wieder weihnachten. weihnachten gebe es seit 1170. «viele leute sind fröhlich , wenn sie an weihnachten denken», so gartentor. aber letztes jahr, als die feiertage auf allgemeine freitage fielen, machte das traurig, stellte der redner fest. «da waren viele leute traurig, wie das meitschi vom blausee. er fasste die blausee-sage zusammen, wonach der see seinen namen trägt: nachdem der schatz vom blausee-meitschi beim heuen abgestürzt war, trauerte es am und auf dem see, bis es eines tages samt schifflein im see versank. dessen wasser ist seitdem blau – so blau, wie die augen des unglücklichen mädchens. gartentor sinniert, wie die ausstellung wohl hiesse, wenn der blausee nicht mehr blau wäre.

nachdem gartentor allen viel kunst, gute begegnungen, viele glückliche gesichter, viel freude und schöne weihnachten gewünscht hatte, setzte er nach dem applaus noch einen drauf: «und denkt daran: brienzlig kaufen. und noch was: nicht nach 22 uhr blockflöteln, sonst hat euch der nachbar am schlawittchen wegen nachtruhestörung.»

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