stoffwechsel

gespräch mit stoffwechsel

Aus Anton Rittiner wurde irgendwann Rittiner & Gomez. Sie gehören zusammen wie der Strand und das Meer – können nicht ohne einander, nur so entstehen die Werke. Und dabei hat noch niemand Gomez persönlich kennengelernt. Er ist Rittiners Alter Ego. Aber ein ganz sympathischer. Rittiner selbst ist gelernter Dekorationsgestalter und verschönerte über Jahre die Schaufenster von Bata zwischen Brig und Genf. Seit 18 Jahren malt er auch Bilder. Flüchtige Bilder, in einem ebenso flüchtigen Comicstil mit urbanen Menschen, sequenziellen Eindrücken und Szenen.

sw: Anton, herzlichen Dank für Deine Bilder. Ich gebe zu: Deine Bilder haben uns gleich beim ersten Blick gefesselt. Aber nicht nur die – auch Dein Alter Ego Gomez. Was hat es mit ihm auf sich? Wie macht er sich bemerkbar?
r&g: Nun, wenn es um unsere Arbeit als Künstler geht, gibt es Anton gar nicht, es gibt nur Rittiner & Gomez. Gomez und Rittiner helfen sich gegenseitig, den Alltag als Künstler zu bewältigen. Zu zweit steht auch mehr Kraft zur Verfügung, um überhaupt ein Projekt in Angriff zu nehmen.

sw: Malt Ihr zusammen? Wer hat die besseren Ideen?
r&g: Wir malen immer zusammen, hingegen kommen die Ideen von beiden. Wer die Besseren hat ist offen, aber jeder muss den Anderen überzeugen können. Wen wir früher als Einzelkämpfer in einer Sackgasse landeten, dauerte es viel länger, um dies zu bemerken und wieder herauszufinden. Wir sind uns aber durchaus bewusst, auch zu zweit auf Irrwege zu kommen. Interessanter ist es aber allemal.

sw: Auf Deiner, Verzeihung, Eurer Website präsentiert Ihr eindrucksvoll Eure Arbeiten. Aber das nicht das einzige Projekt: Ihr habt eine virtuelle Insel geschaffen, die Isla Volante. Ein Ort für Kreativität und Muße?
r&g: Da Spiez, unsere Basis auf dem Festland eine Website ins weltweite Netz setzte, fühlten wir uns verpflichtet, auch für die Heimat von Gomez eine Webpräsenz zu gestalten. Sowohl die Insel als auch unsere Ansprüche an den Internetauftritt haben sich immer wieder gewandelt und wir sind selber gespannt, wie es weitergeht. Wir sind ja nur die Berichterstatter.

sw: Flüchtigkeit und Einsamkeit sind wohl die Kernelemente Eurer Arbeiten. Was bedeutet das?
r&g: Als Kuhhirte in den Schweizer-Alpen und als Bewohner einer kleinen Insel irgendwo im Weltmeer ist Einsamkeit schon fast eine Selbstverständlichkeit. Komischerweise fühlen wir uns gerade in Menschenmassen am einsamsten. Das Flüchtige erleben wir immer wieder im Alltag, wir arbeiten immer noch daran, damit umzugehen. Das Unverbindliche, Schnelle ist ja zwar ein Zeitphänomen, aber auch unser Dasein auf der Erde ist ja sehr flüchtig und fragil. Selbstverständlich ist es für uns auch eine große Erleichterung, dieses flüchtige und zeitlich begrenzte. Wir müssen nichts für die Ewigkeit machen. Wir sind ja nicht selten erstaunt, wie viel Auffand wir Menschen für unsere kurze Zeit auf der Erde betreiben.

sw: Wer sind die „stillen Mitwisser“, die Ihr auf Eurer Seite erwähnt?
r&g: Der Betrachter wird zum stillen Mitwisser der Bildergeschichten, so formulierte es die Galeristin Sandra Marti aus Thun. Für uns bleibt die Art, wie Außenstehende unsere Bilder sehen, ein Rätsel. Denn nur zu oft wissen wir ja selbst nicht was sich da auf unseren Bildern abspielt, wir selbst versuchen ja mit dem Malen und Zeichnen der Sache auf die Spur zu kommen.

sw: Ihr gebt Eure Bilder für stoffwechsel her. Eine Ahnung, worauf Ihr Euch einlasst? Habt Ihr Vorstellungen, was für Erzählungen geschrieben werden könnten?
r&g: Absolut keine Ahnung, wir sind aber gespannt und freuen uns. Da bei unseren Texten zum Logbuch immer zuerst das Bild und erst nachher der Text entsteht, entwickelt der sich erst beim Zeichnen und Malen. Was zwar ab und zu auch zu Folge hat, dass sich das Bild wieder verändert.

sw: Vielen Dank für das kurze Gespräch, Rittiner & Gomez!

(6. Januar 2010)

Das Konzept stoffwechsel
Auf stoffwechsel findet kreativer Austausch zwischen Schreibenden und Bildschaffenden statt.

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kategorie: presse