schweizer comic: rittiner&gomez “polenta”

von sabine kulenkampff

polenta

immer wenn man auf die website von rittiner+gomez guckt, die ja auch eifrig twittern, gibt es irgendwas neues. für meine kleine schweizer comic serie, die ich nun endlich abschließen möchte, habe ich eine ältere publikation ausgesucht: polenta. ich will gleich bekennen, dass ich das heft wunderschön finde, obgleich ich noch nie in simplon – dorf im wallis war und große töpfe mit fleischbrühe und polenta mir eher schrecklich erscheinen, finde ich die eigenartige stimmung des mit wenigen sätzen auskommenden buches sehr berührend; daneben gibt es auch noch eine autoreflexive ebene, die die herstellung einer solchen stimmung aus wort, bild und den komponenten “köche, wölfe, dohlen, gugenmusik und gäste” erklärt, die das herz jedes literaturwissenschaftlers höher schlagen lassen. autobiographie und fiktion sind hier schon in der person des künstlers kunstvoll verwoben: das fiktionale zeichnerduo rittiner&gomez lebt in spiez am thuner see und ist im grunde nur eine person: anton rittiner, der, um malen zu können, sich aber ein alter ego, eben gomez, erfunden und zugleich wieder durch ein “&” zum “wir” verbunden hat. somit ist simplon -dorf nun der heimatort beider. sie bewohnen die schweiz, doch zugleich die imaginäre “isla volante”, einen ort des friedens und der kunst, situiert im internet und ausgestattet mit einem eigenen literaturpreis, zahlreichen mitmachmöglichkeiten für leser usw. isla volante

in “polenta” nun also genügen wenige worte und die offenbar die für r+g typischen, verschachtelten und einander ebenso ergänzende wie aufhebende bilder, um eine fast fühlbar reale wiedergabe eines dörflichen festes und die gefühle des malenden und textenden ichs zu vermitteln, obwohl dieses sich selbst nicht benennt und auch nicht bildlich hervorhebt. eine fast mystische stimmung wird bewußt hergestellt, wie im “vorspann” des “projektes” angekündigt: “ein bergdorf in einer wilden landschaft, ein kulturelles ereignis, die leichtigkeit des fliegens und die geheimnisvollen wölfe, also alles, was man sich nur wünschen kann” – der stoff, aus dem große erzählungen sind. das man die authentizität des erlebenden für ebenso real halten kann wie den zur schau gestellten kunstgriff, diese fähigkeit zu erleben und darstellen in einer (oder doch zwei?) zeichner- und texterpersonen vereint, ist eine große freude, an der ich dank twitter immer wieder teilnehmen kann – siehe @rittinergomez.

sabine kulenkampff

kategorie: comics · presse