Meiringen | 22. Januar 2006
Selten gehörte Kompositionen liessen aufhorchen
l’art pour l’aar präsentierten Musik, Poesie und Kunst
Etwas ungewöhnlich präsentierte sich die Michaelskirche in Meiringen am letzten Samstagabend. 150 Dachlatten lagen kreuz und quer bis in die ersten Sitzreihen. Dahinter standen Mikrofone. Genauso ungewöhnlich wie dieser Anblick, zeigten sich das anschliessende Konzert und die vorgetragenen Gedichte.

150 Dachlatten aus dem Gasterntal fanden am Samstag Einzug in die Meiringer Kirche.
Fotos: Birgit Scheidegger
Bereits zum dritten Mal trafen im Rahmen des Festivals L’Art pour L’Aar verschiedene Künstler aufeinander. Künstler, die sich der Literatur, der Musik und der bildenden Kunst verschrieben haben. Künstler, die sich nicht mit dem Alltäglichen zufrieden geben, sondern dem Aussergewöhnlichen widmen. Die Dachlatten zeigten einen kleinen Anriss des Projektes «1000 Zeichen», welches von der Künstlergruppe l’art pour l’aar – mit dabei sind zehn Künstlerinnen und Künstler aus dem Kanton Bern – im letzten Sommer im Rahmen des Kultursommers Kandersteg zum Thema Bergwelten/UNESCO Welterbe erstellt wurde, und an die fragilen Schutz- und Auenwälder des Gasterntals erinnern.
Wenig gehörte Komponisten

Die Violinistin Noëlle Darbellay verband Musik und Sprache.
das anschliessende konzert bot musikalische darbietungen von wenig gehörten komponisten. eine sonate für violine und orgel von albert moeschinger, die kurz nach dem zweiten weltkrieg fertiggestellt wurde und sich mit der satzfolge an den aufbau einer klassischen sonate hält – schnell, langsam, schnell. stimmengewaltig zeigte sich das geistliche konzert für hohe stimme und orgel von hans studer, in dem die mezzosopranistin brigitte scholl mit ihrer fantastischen stimme glänzte. ganz anders dann die darbietung von «3 chansons violées» von jürg wyttenbach, gesungen und gespielt von noëlle darbellay. sie entlockte ihrer geige dabei ungewohnte töne ohne den bogen zu benutzen.
Neue Gedicht von Urweider

Lyriker Raphael Urweider untermalte das Konzert mit neuen Gedichten.
Den Bogen in die Hand nahm Darbellay bei den nächsten vier Musikstücken, Stücke für Violine und Orgel von Hans Eugen Frischknecht, der den Orgelpart übernahm. Die sehr unterschiedlichen Klangfarben liessen aufhorchen. Mal kam es zu einer Verschmelzung beider Instrumente, dann wieder zu scharfen Kontrasten. Den Abschluss bildeten sieben geistliche Lieder für Stimme, Violine und Orgel, komponiert von Arthur Furer. Eine schlichte Musik, die nicht mit dem Hervortreten von Effekten besticht. Zwischen den Stücken las der junge Lyriker Raphael Urweider neue Gedichte. Die Worte wohlgeformt und wohlüberlegt, aus dem Alltag gegriffen, ohne jegliche Schnörkeleien.