8. Dezember 2009
literarisches kunstlotto mit nicolette kretz
als “sonderpreise” werden auch neue bilder von visarte mitgliedern “verlottet”.

diese zwei bilder von der isla volante können sie gewinnen.
progr visarte bern isla volante
Am 8. Dezember veranstaltet die visarte.bern ein literarisches Kunstlotto. Nicolette Kretz, Berner Theaterschaffende, Poetry – Slammerin und Bund – Kolumnistin wird Arbeiten aus dem über hundertjährigen Archiv der visarte dem Publikum präsentieren und literarisch umsetzen. Alle Arbeiten können gewonnen – oder dank der ‚sofort-kaufen’ Option – ersteigert werden. Als Sonderpreise warten zeitgenössische Arbeiten von Salomé Bäumlin, Boris Billaud und Rittiner & Gomez. Ein interdisziplinärer Abend der neuen Perspektiven und vertrauten Spiele.
presse
bernerzeitung
«Hat jemand eine Karte mit der 16?» Nicolette Kretz sitzt auf der langen Festbank in der Berner Lorraine und durchstöbert den Kartenstapel.
An einem 16. hat sie Geburtstag, darum muss auf der Lottokarte unbedingt ihre Glückszahl drauf sein. Die Autorin ist am Rand des Emmentals aufgewachsen. Dort spielt man in der kalten Jahreszeit regelmässig Lotto, darum weiss Kretz auch genau, worauf sie bei der Kartenauswahl achten muss. Doch für das Kunstlotto des Berufsverbands für visuelle Kunst, visarte.bern, wurde sie aus einem anderen Grund ausgewählt: «2007 organisierte ich im Rahmen der Theaterserie ‹Gasthof zum erweiterten Suizid› im Schlachthaus Theater Lottoabende mit», erzählt Kretz. Und legt sich ein paar rote Plastikplättchen zum Abdecken bereit.
Das Mikrofon schaltet sich ein. «Der Hauptpreis ist ein wunderschönes Schaukelpferd aus Holz», verkündet eine Frauenstimme. Kretz überlegt sich schon einmal laut, was sie mit dem Preis alles anstellen könnte, und greift nach den Plastikplättchen. Gespannt wartet sie auf die ersten drei Zahlen. 25. 9. 84. Schon kann Kretz zwei Ziffern auf einer Reihe abdecken. «Beim Kunstlotto gelten die gleichen Regeln. Doch wenn jemand ein Werk unbedingt haben will, kann er es vor Beginn der Lottorunde zu einem Sofortpreis kaufen», erklärt sie, während weitere Zahlen aufgerufen werden. Die Gemälde, Zeichnungen und Drucke, die nächsten Dienstag in der Loge im Progr angeboten werden, hat Kretz aus dem Archiv der visarte.bern ausgewählt. Schenkungen von Berner Kunstschaffenden sprengen die Lagermöglichkeiten des Berufsverbands. Zudem will sich die visarte.bern einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Darum sollen die Bilder auf spielerische Art und Weise neue Besitzer finden. Zwischen einem und vier Franken werden die Lottokarten kosten – so günstig war Kunst wohl noch nie zu haben. «Vor jeder Spielrunde werde ich zu den Werken etwas erzählen. Geschichten von mir, keine Wahrheiten», erklärt die Autorin.
«Karton!» Kretz streckt ihre Hand empor. Die Zahlen werden kontrolliert. 9, 39, 49, 54, 84 – sie gewinnt ein Bauchtäschli und einen Gutschein vom Velomechaniker. Fürs Schaukelpferd hats leider nicht gereicht. Dafür gehts Schlag auf Schlag weiter. Die 18 wird aufgerufen, und wieder schnellt Kretz’ Hand in die Höhe. Dieses Mal räumt sie eine Plastikflöte ab. «Beim nächsten Poetry Slam trete ich damit auf», scherzt sie. Dann verlässt sie das Glück. Eine halbe Stunde später meldet sie sich noch einmal zu Wort – und ruft in den Saal: «Schüttle!»