kunstforum & galerie arthouse

panorama
panorama – acryl und gouaches auf karton 20 x 200 cm

thuner tagblatt

der robinson aus spiez

einer wohnt in spiez, der andere auf der isla volnate. einer ist sichtbar der andere nicht. das portrait eines doppelmenschen.

anton rittiner kann sich seine bilder ohne die mithilfe von gomez gar nicht mehr vorstellen. gomez hat ideen, wenn die inspiration fehlt, gomez treibt an, wenn der mut ausbleibt, gomez bringt farbe ins spiel, wenn rittiner sich im schwarzweiss verbissen hat. so weit so gut – ein perfektes malerteam. bloss: gomez ist gar kein erdenbürger.
seine kindheit hat anton rittiner in simplon dorf verbracht. “das waren 300 seelen, und eigentlich kannte so ziemlich jeder den jeweils anderen”, fügt er hinzu. weil klein anton schon immer gerne malte, bot sich als brotberuf die lehre als dekorationsgestalter an. nach lehrabschluss tingelte rittiner zwischen brig und genf und verschönerte die schaufenster von bata. “ich dekorierte so ziemlich jeden bata laden zwischen diesen zwei stätden” so rittiner. als die schuhe ihm dann allerdings in den träumen erschienen seien, habe er schnellstens gekündigt.
seit 18 jahren malt anton rittiner nur noch bilder. flüchtige bilder, in einem ebenso flüchtigen comicstil. urbane menschen, sequenzielle eindrücke und szenen, nachdenklicher portraits… und natürlich die isla volante. “da kommt gomez her” meint rittiner. und was macht der noch auf der insel, wo doch bald schon vernissage ist? “der ist schon da, wenn es um ums malen geht – er ist bloss nicht sichtbar.” gomez, so wird bald klar, ist rittiners alter ego. seine mutige, quirlige und extrovertierte seite. wo rittiner mühe hat, sprüht gomez vor energie. wo rittiner der pinsel stockt, macht gomez einen farbklecks. und während des fotografierens – das rittiner gar nicht mag – füttert gomez vermutlich gerade grinsend die tauben am strand der isla volante.

postmoderne collage

flüchtigkeit und einsamkeit – sie sind zwei kernelemente der kunst von rittiner & gomez. leute begegnen sich, unterhalten sich und werden weiter getrieben im strom der zeit und betriebsamkeit. ein grosses bild zerfällt in kleinere sequenzen, verliert sich als einheit in der vielfalt. die dargestellten momente und gefühle sind einzeln unfassbar, doch als ganzes formen sie eine postmoderne collage, die jeden betrachter auf einem anderen fuss erwischt. je nach stimmung dürfte von ruhe bis irritation so manches gefühl auch zu hause noch anhalten. rittiner freut das. und gomez arbeitet schon an seinem nächsten coup.

sandro pfammatter

thuner tagblatt

kategorie: presse